Wandern

Karwendel-Wanderung

Von  Hugo Seegerer

Die deutsche Bahn war unsere erste Hürde: Zuerst fährt der Zubringer-Zug vom Bahnhof Prüfening zum Hauptbahnhof nicht – fast hätten einige von uns den Zug nach München verpasst. Aber: Der hat Verspätung, 15 min. Genug, um den S-Bahn-Anschluss in München nicht mehr zu erreichen. Damit war der Bus von Tegernsee nach Pertisau auch schon weg, als wir in Tegernsee ankommen – der nächste fährt aber erst am späten Nachmittag.

Stefan gibt so schnell nicht auf: Wir könnten mit einem anderen Bus nach Lenggries und von dort auf die Eng-Alm fahren. Dort wollten wir zwar erst am zweiten Tag unserer Wanderung vorbeikommen – aber am ursprünglichen Plan festhalten, den halben Tag totschlagen, erst am späten Nachmittag von Pertisau loswandern und in der Nacht auf die Hütte zu kommen ist keine gute Alternative. Es gibt fast immer eine dritte Möglichkeit: Wir fahren mit einem Taxi-Kleinbus nach Pertisau (bezahlen weniger, als wir für 7 Bustickets bezahlt hätten), und starten gegen 11 Uhr wie ursprünglich geplant zur Gramai-Alm.

Elli kämpft um jeden Schritt. Sie war am Tag zuvor gestürzt. Aber sie beißt die Zähne zusammen, lächelt, und läuft uns allen voraus. Nach 2 Stunden erreichen wir den Alpengasthof Gramai auf 1263 m – danach geht es steiler aufwärts. Elli kann den verletzten Fuß kaum belasten – nach einer weiteren Stunde und gutem Zureden kehrt sie um. Hugo begleitet sie zurück zur Gramai-Alm. Von dort fährt sie per Auto-Anhalter, dann mit der Bahn zurück nach Regensburg. Wir wünschen alle rasche Heilung!

Über viel Geröll, Schotterwege, die immer steiler werden, durch Regenschauer, vorbei an Gämsen, erreichen wir gegen 17.00 Uhr die Lamsenjochhütte auf 1953 m, unser Ziel für heute. Wir werden in einem 6-Bett-Zimmer einquartiert – passt genau für Stefan und Angelika, Karin und Christine, Angelika und Hugo. Dank viel frischer Luft, der Anstrengung des Aufstiegs, und nicht zuletzt des Aufstehens vor 5 Uhr können die meisten gut schlafen -  trotz nächtlicher Säge-Aktivitäten einzelner.

Nach gemütlichem Frühstück starten wir gegen 9 Uhr Richtung Eng – der Panoramaweg bietet uns  großartige Blicke auf den Großen Ahornboden und in der anderen Richtung auf die Laliderer Spitzen. Petrus scheint uns wohlgesonnen: Heute keine Schauer, blauer Himmel, einzelne Wolken – schönstes Wanderwetter!
Auf der Eng-Alm (etwa 1200 m) treffen wir, wie verabredet, Sabine und Helmut, stärken uns mit Kaspressknödeln und Kaiserschmarrn, bevor wir wieder losziehen: Immer mit Blick auf die Laliderer Spitze geht es steil aufwärts, durchs Hohljoch (1794 m) dann am Hang entlang vorbei am Laliderer Tal, und schließlich wieder aufwärts zum Falkenhaus auf 1848 m. Der Weg ist meist nur ein Pfad, mal steinig, mal schlammig, mal über Almwiesen, dann über Geröll, aber nie gefährlich – und das Tempo unseres „Guides“ lässt alle einigermaßen bei Atem. Die Ausblicke sind wieder beeindruckend: Die fast senkrechte, unendlich lange Laliderer Wand, der Blick zurück zum Sonnjoch und den anderen Gipfeln des östlichen Karwendels, und voraus die Birkkarspitze (2749 m), die sich allerdings meist in einem Wolkenschleier versteckt.

Die Falkenhütte ist voll! Kein Wunder: Samstagabend, schönes Wetter, auch gut geeignet  zum Mountainbike-Fahren. Die Hütte ist für Radler wohl ein begehrtes Ziel. Wir kommen im Lager unter – 14 Schlafplätze, von denen wir nur 8 belegen – weitere 3 Mitschläfer teilen unser Lager. Für einige von uns ist es Premiere, in solch einem Lager neben fremden Menschen zu schlafen. Für einen unserer Mitschläfer war das Zusammensein mit uns weniger lustig als für uns: Er suchte am Morgen eine Stunde lang nach seiner Hose, die er am Abend vorher in seinen Rucksack gesteckt hatte-meinte er. Letztlich fand sie sich im Rucksack seines Bettnachbarn – er musste glücklicherweise doch nicht allein mit Unterhose bekleidet weiterwandern…

In der vollen Hütte war der Abend Geschmacksache: Einerseits gutes, reichliches Essen, andererseits dicke, warme Luft, laute Gespräche – draußen milde Abendstimmung, aber dann Regen. – Am nächsten – letzten – Tag unserer Wanderung gings fast nur bergab – über den kleinen Ahornboden durch das Johannestal nach Hinterriss und von dort mit Kleinbus und Zug nach Hause. Am kleinen Ahornboden legten wir noch eine ganz gemütliche Rast ein, bedauerten ein wenig, dass die Ahornblätter noch nicht in herbstlichen Farben leuchteten, und nahmen uns vor, wiederzukommen – vielleicht 2 Wochen später im (nächsten oder übernächsten??) Jahr. Aber ob wir dann wieder so schönes Wetter – und so gute Wandergesellschaft wie diesmal haben werden?

Danke an Stefan für perfekte Vorbereitung, immer kompetente, gelassene Führung, und Verbreitung guter Laune!