Leichtathletik

Europameisterschaften Senioren

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Nicht nur die Aktiven hatten Anfang August mit den Weltmeisterschaften in der Leichtathletik in London ihr absolutes Highlight, auch die Seniorensportler trafen sich in Aarhus (Dänemark) zu bei den mittlerweile 20. Europameisterschaften zu ihrem Saisonhöhepunkt. Nicht weniger als 800 Athleten aus Deutschland machten sich auf den Weg in die zweitgrößte Stadt Dänemarks, die in diesem Jahr Kulturhauptstadt ist. Damit lag Deutschland klar vor Großbritannien, die mit 500 Teilnehmern die zweitstärkste Gruppe stellte.

Vom heimischen SWC Regensburg machten sich drei Altersklassensportler auf den Weg in den hohen Norden. Aus sportlicher Sicht hat sich für eine Teilnehmerin der Weg im besonderen gelohnt: Urte Alisch holte sich in der Altersklasse W45 nicht nur etwas überraschend die Bronzemedaille über die 80 Meter Hürden, sondern gewann nicht ganz unerwartet den Europameistertitel im Weitsprung.

"Eigentlich bin ich beruflich gerade ziemlich eingespannt, so dass ich nach Dänemark eher ein wenig müde gefahren bin", so Urte Alisch im Vorfeld der EM. Trotzdem galt sie im Weitsprung durchaus als Favoritin. Denn im März holte sie sich bei den Senioren-Hallenweltmeisterschaften in Daegu (Südkorea) nicht nur den Weltmeistertitel im Fünfkampf, sondern eben auch den im Weitsprung.

Nachdem Urte Alisch die erste Woche ein wenig zum Aufbau ihrer Form nutzen konnte, war sie trotz ihres starken Satzes von 5,08 Meter zum Einstieg in den Wettkampf schon fast etwas enttäuscht: "Ich fühlte mich gut und wollte zu Beginn eigentlich etwas mehr." Denn ihre härteste Widersacherin an diesem Tag, die Kroatin Renata Novosel, legte vor. Mit 5,13 Meter ging sie zunächst in Führung. Im vierten Durchgang spitzte sich der Wettkampf für die beiden zu. Die Kroatin legte mit 5,17 Meter ein paar Zentimeter zu, doch Urte Alisch setzte ihren Goldsprung für diesen Tag. Ein winziger Zentimeter Vorsprung auf 5,18 Meter konnte Renata Novosel nicht mehr überbieten. Urte Alisch bestätigte ihre Leistung an diesem Tag mit exakt der gleichen Weite im 6. Versuch. "So richtig zufrieden mit der Leistung war ich eigentlich nicht. Aber die Freude über den Titel war schon riesig", bilanzierte die ehrgeizige Athletin des SWC.

Nach dem Wettkampf begann dann gleich die Vorbereitung für die 80 Meter Hürden, da das Training hierfür im Vorfeld etwas zu kurz gekommen war. Es zahlte sich aus: Als Viertbeste qualifizierte sie sich für den Endlauf. Damit stieg natürlich auch der Anspruch auf eine weitere Medaille. In einem spannenden Finale mit 4,7 Meter Gegenwind und ordentlich Regen holte sie sich in ihrer Lieblingsdisziplin tatsächlich die Bronzemedaille.

Auch in das Wettkampfgeschehen bei dieser EM hat Dauerbrenner Jens Wulff eingegriffen. Dabei lief es diesmal für ihn nicht ganz nach Wunsch. Über die 1.500 Meter blieb er mit einer Zeit von 4:56,68 Minuten sechs Sekunden über seine Saisonbestleistung. Das Finale war somit nicht im Bereich seiner Möglichkeiten, da hierfür eine Zeit von 4:20 Minuten notwendig gewesen wäre. Über die 5.000 Meter musste er nach etwas mehr als der Hälfte des Rennens gar verletzt aufgeben.

Ein ganz besonderer Athlet war in Dänemark auch am Start: Hans Dyka, mittlerweile 87 Jahre alt, machte sich auf den Weg, um über die 20 Kilometer im Gehen in der Altersklasse M85 eine Medaille zu holen. Ein gleichaltriger Ukrainer und ein 89-jähriger Finne waren hier noch mit im Wettbewerb. "Leider kann er grundsätzlich seine Knie nicht mehr ganz so durchstrecken, wie es das Reglement eigentlich verlangt", erklärte Michael Duchardt, Spartenleiter Leichtathletik des SWC. So wurde er von den Schiedsrichtern aus dem Rennen genommen und disqualifiziert. "So wie wir Hans kennen, wird er es sich nicht nehmen lassen, es bei einem Großereignis wieder zu probieren", waren sich die Beteiligten vor Ort einig. Und Gelegenheit hat er hierzu genügend. Im nächsten Jahr finden die Seniorenweltmeisterschaften in Malaga (Spanien) statt, 2019 dann die Europameisterschaften in Venedig (Italien).