Wandern

Abruzzen: Auf den Pfaden von Schafen, Wildschweinen und Bären

Eine Region, die wir aus Schreckensnachrichten kennen, als Wanderparadies für Liebhaber der Stille und der italienischen Lebenskunst: In den Abruzzen führen alte, einsame Wege durch großartige Landschaft, und in jedem Ort wartet eine Bar mit caffé oder aperitivo.

„Wilde Wege, stille Dörfer“ lautet auch der Titel der zuletzt 2013 überarbeiteten Wegebeschreibung von Christoph Hennig im Rotpunktverlag (3. Auflage). Das sehr lesenswerte Buch ist unverzichtbar für die Wanderungen im Hinter- und Umland von L´Aquila und Sulmona, denn Karten und Wegmarkierungen gibt es weitgehend nicht, und Wegschilder sind oft mit Vorsicht zu genießen. Dafür beschreibt Hennig die insgesamt neunzehn Etappen durch die Weiten und Höhen des Apennin so exakt (und appetitanregend), dass man mit dem Buch und einer Uhr ausgerüstet die Wege gut finden kann.

Es gibt eine Hauptroute über das Campo Imperatore im Gran Sasso und eine sehr reizvolle Frühlingsroute durch die Mohnblüten- und Korianderfelder einer Hochebene im Westen des Abruzzenhöhenzuges. Die teilweise sehr einsamen Wege führen in eine Höhe von bis zu im Frühling noch verschneiten 2300 m über dem Meeresspiegel (Gran Sasso, Aufstieg 1400m), auch außerhalb des Hauptmassivs liegen die zu überwindenden Höhendifferenzen schon mal bei gut 900m, das sollte bei der Planung mit Kindern beachtet werden.

Die Anreise erfolgt über Rom, von wo man an einem halben Tag mit Bahn oder Bus in die Berge reisen kann. Unterkunft findet man durchwegs komfortabel und mitunter sehr originell in Hotels und Pensionen, den Hüttenschlafsack kann man hier zuhause lassen; und die teilweise halb verlassenen, malerischen Ortschaften am Wege begrüßen den Wanderer stets mit einer belebten Cafébar. Dass den Wanderer abends ein köstliches Mahl für die Anstrengungen des Tages belohnt, das ist in Italien garantiert, ebenso wie die Tatsache, dass am Wege Kulturschätze wie die einstige Römerstadt Peltuinum, die Kirche von Bominaco oder die Innenstadt von Sulmona warten.