Clubfamilie

Ski- und Wanderclub Regensburg 1946

Aus der Festschrift zum 50jährigen Jubiläum des Vereins

Von  Karl Thielecke

Begonnen hat alles im Oktober 1945, als sich vier Regensburger, allen voran der leider verstorbene Wolfgang Hartmann, regelmäßig in "Schlögls Weinklause" trafen. Zu diesem Zeitpunkt waren die Treffen noch illegal, da von den Besatzungsmächten der Zusammenschluß von Personen zu einem Verein untersagt war.

Der Skibegeisterung des damaligen amerikanischen Stadtkommandanten war es zu verdanken, daß am 4. Januar 1946 in der Gaststätte "Neu Sankt Niklas" der Ski Club Wolfgang - Naturfreunde gegründet werden konnte.

Die Vorstandschaft wurde aus den Gründungsmitgliedern Wolfgang Hartmann (Vorstand), Oskar Schindler (Kassier) und Harry Hohenthanner (Schriftführer) gewählt.

Von Pistenfreude sprach damals niemand. Alle Brettln waren für die Wehrmacht abgegeben worden. So begnügten sich die Sportbegeisterten mit Wanderungen in der näheren Umgebung.

Im Oktober 1946 hatte der Verein 70 Mitglieder. (Franz Gnad, heute Ehrenmitglied des SWC, hatte die Mitgliedsnummer 70, sein Clubausweis wurde am 20.10.1946 ausgestellt.)

Bereits ein Jahr nach Vereinsgründung war es den Skifans gelungen, einfache Ausrüstung zu beschaffen und den ersten Skiurlaub auf der Winkelmoosalm in Reit im Winkel zu organisieren. Verpflegung musste jeder selber mitbringen und auf die Hütte schleppen.

1950 war die Mitgliederzahl bereits auf 200 angewachsen. In diesem Jahr wurde auch der Clubname geändert. Der Zusatzname "Naturfreunde" wurde gestrichen. Der Verein hieß jetzt "Ski Club Wolfgang, Sport- und Wandergruppe". Als Wolfgang Hartmann aus geschäftlichen Gründen seinen Rücktritt erklärte übernahm Franz Gnad die Vorstandschaft und leitet die Geschicke des Vereins bis Ende 1959.

In der Generalversammlung 1956 wurde der heutige Vereinsname festgelegt, da die bisherige Bezeichnung immer wieder zu Verwechslungen mit der Kirchengemeinde St. Wolfgang in Kumpfmühl führte.

Im Hinblick auf die dahin zehnjährige Vereinsgeschichte konnte schon ein beachtliches Resümee gezogen werden. Das Clubleben blühte in vielen Sportarten auf. Kegeln, Fußball und Schlauchbootfahren standen auf dem Programm. Skigymnastik war Selbstverständlichkeit, und Clubmitglieder nahmen an Stadtmeisterschaften teil. Im Amateur-Eiskunstlauf brillierten Damen des Vereins. So wurde 1949 die erster Eiskunstlauf-Veranstaltung unter dem Motto "Sterne auf dem Eis" durchgeführt. Ein attraktives Wanderprogramm lockte Mitglieder an. Tanzen war eine beliebte Sportart, der Club hatte sogar eine eigene Tanzkapelle, die unter dem Namen "City Band" den Mitgliedern zum Tanz aufspielt.

Am 14. November 1954 waren Ausbauarbeiten in der Unterkunft auf der Bernhardshöhe im Bayerischen Wald soweit abgeschlossen, dass die Hütteneinweihung stattfinden konnte. Ein Jahr später erhielt die Vereinsbleibe den Namen "Rudi-Schrott-Hütte" zum Gedenken an einen großen Freund und Gönner des Clubs.

1956 waren die Finanzen des Clubs soweit gesichert, dass eine moderne Unterkunft in St. Englmar in Angriff genommen werden konnte. Es wurde ein Grundstück erworben, welches nach wie vor Eigentum des Vereins ist. Zum Bau der eigenen Hütte fehlten letztlich dann doch die Mittel.

Der SWC hatte im Arbergebiet noch eine Hütte gepachtet. Sie wurde aufgegeben, da die Ansprüche der Mitglieder stiegen und die Hütte moderneren Bauten weichen musste.

In den Jahren 1960 bis 1970 war Theo Grätz 1. Vorsitzender des SWC. In dieser Zeit wurden auch Kulturfahrten angeboten, so z.B. ins Nationaltheater nach München, ein Angebot, das heute wegen fehlender Kartenkontingente leider nicht mehr möglich ist.

Mitte der Sechziger Jahre wurde die Errichtung eines Skisportzentrums in Grün bei St. Englmar in Angriff genommen. Unter persönlichem Arbeitseinsatz von Mitgliedern und mit der Unterstützung befreundeter Firmen entstand neben einer Abfahrtspiste auch eine Natur-Sprungschanze. Diese Sprungschanze wurde von unserem Mitglied Hans Rassl entworfen und nach seinen Anweisungen erbaut. Nach Abnahme der Sprungschanze durch Heini Klopfer (ehem. bekannter Skispringer) war die Schanze offiziell für Sprungwettbewerbe zugelassen. Auf diesen Anlagen wurden Skirennen - so auch der Rudi-Schrott-Gedächtnistorlauf -, Skispringen und Nordische Kombinationen durchgeführt.

Notorischer Schneemangel, fehlende Aufstiegshilfen und aufwendige Pistenpräparierung waren die Gründe, dass das Skisportzentrum nicht mehr ausreichend genützt wurde.

1970 ließ sich Franz Gnad breitschlagen, noch einmal die Vorstandschaft im SWC zu übernahmen, die er bis 1973 innehatte.

Zum 25jährigen Gründungsfest im Haus Heuport, unter der Schirmherrschaft des damaligen Oberbürgermeister der Stadt Regensburg, Herrn Rudolf Schlichtinger, hatte der Verein 936 Mitglieder.

Im Dezember 1971 konnte Franz Gnad in der zwischenzeitlich vom Minorittenweg in die Adolf-Schmetzer-Straße 3 umgezogenen Geschäftsstelle das 1.000 Mitglied begrüßen.

Bei der Jahreshauptversammlung im Mai 1974 wurde ein neuer Vorsitzender gewählt: Franz Obermeier. Er war bis 2008 1.Vorsitzender und ist heute Ehrenvorsitzender des Clubs.

In den ersten Jahren nach Vereinsgründung wurde die Mitglieder mit Monatsbriefen informiert. 1972 wurden die Clubnachrichten in der heutigen Form entwickelt. Sie werden zum Teil durch Inserate finanziert und erscheint vierteljährlich.

1978 wurde die Satzung des Vereins in ihrer jetzigen Form beschlossen und rechtlich abgesichert.

In all den Jahren war der SWC sportlich und gesellschaftlich weiter aktiv. Bestens organisierte Ski- und Wanderurlaube in Südtirol und Badeurlaube an der Adria erfreuten sich größter Beliebtheit. Manches Hotel war mit SWC-Mitgliedern voll ausgebucht.

Die Flüsse in Regensburgs Umgebung wurden wieder mit Schlauchbooten befahren. Ein großes Schlauchboot der Bundeswehr gesteuert von SWClern und besetzt mit Kindern zog auf seinen Flussfahrten eine Armada von Klein-Schlauchbooten hinter sich her.

Ein- und mehrtägige Bergfahrten waren ausgesprochene Renner für Bergfexen. Die meisten Teilnehmer konnte eine Überschreitung der Nordkette von Innsbruck nach Scharnitz auf die Beine bringen. Zwei Reisebusse waren nötig, um die Bergwanderer zu befördern. Damit diese große Gruppe sicher über die Berge geleitet werden konnte, waren die Wanderführer sogar mit Sprechfunk ausgerüstet. Das Sportangebot wurde mit Leichtathletik, Schwimmen und Turnen ausgeweitet. Die Skikurse des Vereins wurden teilweise von über 200 Skischülern besucht.

Großer Beliebtheit erfreuten sich in den siebziger Jahren die traditionellen Wintereröffnungsfeiern mit Winter-Modenschau und Tanz zu den Klängen des Kolping-Tanzorchesters, wobei sogar der große  Kolpingssaal gefüllt war.

1978 trafen sich langjährige Mitglieder des SWC auf der Bernhardshöhe zu geselligem Beisammensein und um alte Erinnerungen aufzufrischen.

1981 wurde dieses Treffen mit einem Wochenendaufenthalt in der Aplenvereinshütte in Brixen im Tal wiederholt, verbunden mit einer Bergwanderung am zweiten Tag. Bei diesen Treffen wurde deutlich, dass der SWC nicht nur Sportverein, sondern auch eine große Familie ist.

Ein besonderer Initiator der Sportbewegung im SWC war Richard Böttcher sen., der über viele Jahre unermüdlich die Mitglieder animierte, angeleitet und auch manchmal angeschoben hat, die eine oder andere Sportart auszuüben. Auf seinen Ansporn hin sind viele zu Übungsleitern ausgebildet worden und sind heute noch im Einsatz. Ihm ist es auch zu verdanken, dass der SWC sich dem Skigau Bayerwald anschloss. Eine Entscheidung, die sich im Hinblick auf den alpinen Rennsport nur positiv auswirkte.

Der SWC richtete Leichtathletikveranstaltungen aus, organisierte überregionale Skirennen auf den Bergen des Bayerischen Waldes und war Wegbereiter der Stadtmeisterschaften im nordischen Skilauf verbunden mit Volksskilauf. Der SWC war auch der erste Verein in Regensburg, der zusammen mit dem Sportamt der Stadt den Volks-Crosslauf ins Leben rief.

Nicht zuletzt aufgrund seiner Aktivitäten konnte der Verein drei Jahre lang einen der Sport-Aktiv-Preise der Stadt Regensburg in Empfang nehmen.

Die Sportler des SWC nahmen an Wettkämpfen in allen Sportarten teil bis hin zu Deutschen und Internationalen Meisterschaften und belegten immer wieder vordere Plätze. Es würde Seiten füllen, Namen und Zeiten, die bereits in zahlreichen Clubnachrichten veröffentlich wurden, hier noch einmal aufzuführen.

Aktive des Vereins machten sich über die Grenzen Bayerns, ja sogar Deutschlands hinaus einen Namen. Mit Walter Kubon hatten die Sportkegler des SWC sogar einen Deutschen Meister in ihren Reihen. Dass der SWC auch international in Erscheinung trat, war in erster Linie seinen Renn-Assen im alpinen Skisport zu verdanken. Wir möchten deshalb doch noch einmal einige herausragende Erfolge ins Gedächtnis rufen:

Gudrun Böttcher, elfjährig schon Bayerwald-Meisterin im Riesenslalom, schaffe es mit 14 Jahren schon in der Damenklasse Bayerwald-Meisterin im Riesenslalom zu werden. Sie nahm an Europacup-Rennen teil, war mehrfache Universitätsmeisterin im Riesenslalom, erreichte in der gleichen Disziplin einen 3. Platz bei den Städteweltmeisterschaften und war Deutsch-Österreichische Meisterin im Slalom.

Constanze Prell war Internationale Deutsche Städtemeisterin, belegte bei der Studenten-Olympiade in Sofia den 3. Platz, gewann den Gesamt-Weltcup bei Studenten-Meisterschaften und war Weltmeisterin in der Kombination Tennis/Ski. Beide Damen wurden auch in den C-Kader der deutschen Nationalmannschaft berufen.

Richard Böttcher jun. wandte sich früh dem Städte-Skilauf zu und wurde Internationaler Deutscher Städtemeister. Er ist heute noch im alpinen Rennsport aktiv und betreut auch unsere Nachwuchs-Rennläufer.

Heute, nach 50 Jahren, bietet der Ski- und Wanderclub ein Sportprogramm in allen vom Verein betriebenen Sportarten an, welches über die ganze Woche läuft.

Die jährlich stattfindende Ski-Freizeit für Kinder und Jugendliche in Wagrain/Salzburger Land ist der Renner jeden Winters.

Der Hallensport in Regensburg, Bad Abbach und Neutraubling wird ausschließlich in Schulsporthallen betrieben. Mit Fertigstellung der Städtischen Sportanlage am Weinweg wurde das Leichtathletik-Training, welches vordem auf dem Gelände des DJK Sportbundes stattfand, auf diese neuen Anlagen verlegt.

Die Sportkegelabteilung des SWC hat heute drei Damen- und vier Herrenmannschaften im Punktspielbetrieb im Einsatz. Der Verein belegt jeden Mittwoch acht Bahnen auf dem Leistungszentrum an der Dechbettener Straße. Darüber hinaus je vier Bahnen jeden zweiten Samstag und Sonntag während der Wettkampfsaison.

Der Verzicht auf eigene Anlagen hat sich bestens bewährt und ist auch für die Finanzen des Vereins das optimale.

Die Geschäftsstelle wurde 1994 von den historischen, aber nicht mehr zeitgerechten Räumen, in der Adolf-Schmetzer-Straße 3 in die Prinz-Ludwig-Straße 1b verlegt. Heute befindet sich die Geschäftsstelle in der Prinz-Rupprecht-Straße 38/III.

Dieser kleine Rückblick auf 50 Jahre Vereinsgeschichte soll in geraffter Form die Entwicklung des Ski- und Wanderclubs veranschaulichen und wird sicher bei vielen Mitgliedern schöne Erinnerungen wach rufen.